Nach ein paar Tagen in Copacapana am Titicacasee, ein paar Ausflügen in die nähere Umgebung und einer Bootstour auf dem höchsten beschiffbaren See der Welt ging es weiter für uns Richtung La Paz dem Regierungssitz, jedoch nicht der konstitutionellen Hauptstadt des Landes (laut Verfassung ist Sucre die Hauptstadt – alle Ministerien, Regierungseinrichtungen und Botschaften befinden sich aber in La Paz). Auf sehr abenteuerlichen Wege verschifften wir das Auto über den Kanal, welcher die Halbinsel mit dem Festland verbindet und erreichten am frühen Abend La Paz und unser Quartier in einem kleinen Hostel in der Altstadt. Das Auto brachten wir in die Werkstadt für Öl- und Filterwechsel – so sparten wir auch gleichzeitig Parkplatzgebühren.
Nach 3 Tagen in der sehr ruhigen und angenehmen knapp 2 Millionenstadt machten wir uns auf um durch das Altiplano nach Potosi zu fahren. Diese Hochebene befindet sich durchweg auf über 3000m mit Spitzen von über 3800m. Sehr sehr dünne Luft für unsere Lungen und unseren 4,2l Saugdiesel. Am Tag war es angenehm warm und eine sehr intensive glasklare Luft, aber in der Nacht fiel das Thermometer unter null Grad und deswegen waren die Flüsse und kleinere Seen durchweg zugefroren. Dies schien aber den zu tausenden dort grasenden Alpacas, Lamas, Vincuñas und diversen Schafen nichts gross auszumachen. Angekommen in Potosi machten wir uns gleich auf die Suche nach einem Touranbieter für eine Besichtigung der ertragsreichsten Silber- und Mineralmine der Welt. Die Incas fingen mit der Ausbeutung an und als die Spanier die Vorkommen entdeckten, wurden kurzerhand Sklaven aus Afrika und Indien nach Bolivien verschleppt, um die Reichtümer aus dem Berg zu graben. Man schätzt daß ca. 8 Millionen Personen unter der spanischer Herrschaft ihr Leben in der Mine verloren. Noch heute wird unter fast kolonialen Verhältnissen in der Mine gearbeitet und so war auch dass erste was wir bei der Besichtigungstour machten, auf dem Ausrüstermarkt Dynamit, Schnaps und Coca Blätter für die Arbeiter als Geschenk zu kaufen. Wahnsinn – die Dynamitstangen, nebst Zündern und Zündschnur wurden einfach frei auf der Strasse verkauft. Als wir am Berg ankamen durften wir gleich eine Stange in die Luft jagen. Der Rest der Besichtigung war dann eher Nebensache. Leider liess mich Vanessa am nächsten Tag nicht noch ein paar Stangen für den Weg kaufen, sonst hätten wir noch mehr Spass gehabt, vor allem mit den Strassenblockaden protestierender LKW Fahrer die uns den Weg nach Sucre versperrten. Aber vorher wollten wir erst noch zum world famous Salar de Uyuni im Grenzgebiet zu Chile. Nach einer, wieder einmal, strapaziösen Fahrt über 240km Geröllwege kamen wir fast im Dunkeln in Uyuni am Rande des Salzsees an. Am nächsten Tag fuhren wir auf den See und schauten uns Kakteeninseln und Salzabbaugebiete an. Man sieht über hunderte von Kilometern nur weiß, weiß und weiß. Die Sonne brennt hinab und wird vom Salz reflektiert wie Schnee. Aber in der Nacht sank die Temperatur bis auf -10 Grad. Nach ein paar Tagen fuhren wir den selben Weg wieder zurück nach Potossi und weiter nach Sucre. Auffgrund der schon erwähnten Blockaden mussten wir über Berg und Tal fahren um die Blockaden zu umgehen. Das selbe Spiel spielten wir dann noch einmal bei der Einfahrt nach Sucre. Es war endlich mal wieder angenehm warm und so konnte man es gut aushalten. Von dort fuhren wir über Stock und Stein nach Camiri und von dort aus rein in den Chaco – das Savannen ähnliche Grenzland zu Paraguay. Wie schon öfters mal davor wussten wir nicht ganz genau was uns erwartete. Laut Karte war es eine ofizielle Strasse aber in Wirklichkeit war es eine Art 3 tägige Wüstendurchquerung auf einer schmalen Tiefsandpiste. Hätten wir nicht alle Tanks in Bolivien vorher aus Kostengründen (0,40$/Liter) aufgefüllt, wären wir niemals mehr aus dem Sand herausgekommen. Außer einem bolivianischen Militärposten sahen wir auf 200km keine Menschenseele und auch der Grenzposten war verwaist und wir mussten ohne bolivianischen Ausreisestempel nach Paraguay fahren. Auf der anderen Seite war es noch krasser, wieder ca. 200km lang konnten wir nur mit Untersetzung über die Dünen kreuzen. Die paar Soldaten die wir trafen sagten uns, dass wir das erste Auto seit 2 Wochen waren, welches den Weg benutzte und luden uns ein die Nacht bei ihnen zu verbringen. Aber wir campten lieber im Busch: die Jaguare waren uns lieber als gelangweilte Soldaten auf Aussenposten. Die erste Stadt in die wir nach 3 Tagen fuhren war Filadelphia. Zusammen mit Loma Plata und Fernheim Sitz von in den dreissiger Jahren aus der Ukraine und Polen ausgewanderten, deutschstämmigen Mennonitenkolonien welche sich dort einen ganz ansehnlichen Lebensstil aufgebaut haben. Es gibt viele Agrarkooperativen, Molkereien und Viehzuchtbetriebe. Die Leute reden eine Art Plattdeutsch, verstehen aber auch Hochdeutsch, die Meisten sind riesengross, blauäugig und blond – komischer Kontrast. Das Land welches ihnen von der Regierung damals geschenkt worden war, gehörte Indianer Gruppierungen der Guarani, welche natürlich nicht gefragt wurden ob dass ok geht. Nun müssen sie sich als Tageslöhner für die Deutschen verdingen.
Nach einem ausgiebigen Verkosten der wirklich hervorragenden Fleisch- und Wurstwaren fuhren wir weiter nach Asuncion, der Hauptstadt des Landes. Dort schlugen wir unsere Zelte im botanischen Garten auf, in dem wir die Zeit über einen eigenen Wachmann zugeteilt bekamen. So konnten wir unser Auto mit gutem Gewissen dort tagsüber stehen lassen und die Stadt erkunden. Da am Sonntag Paraguay in Asuncion gegen Brasilien ein WM Qualifikationsmatch bestritt, kauften wir uns Karten fürs Spiel und besuchten das Stadion. Paraguay spielte echt gut im Gegensatz zu Robinho, Lucio und Adriano die mit 2:0 verdient verloren. Auf dem Weg von Asuncion nach Ciudad del Este, der Grenzübertritt erst kurz nach Brasilien und dann rein nach Argentinien zu den Waserfällen von Iguazu war unser nächstes Ziel, besuchten wir noch den sehr schönen Urwald Nationalpark Ibicuy und verbrachten ein paar schöne Tage dort. Vor dem Grenzübertritt nach Brasilien schauten wir uns noch das Wasserkraftwerk Itaipu an. Dort wurde der Paraná Fluss, welcher die Grenze Brasilien Paraguay bildet, gestaut und ein riesiger See entstand. Dort werden 25% des brasilianischen!!! und 93% des paraguayischen Stromes erzeugt. Wie bei allen diesen Projekten wurde bei der Aufstauung auch sehr viel Regenwald zerstört und es mussten viele Guarani Regenwaldbevölkerung umgesiedelt werden. Wir machten eine kostenlose Besichtigungstour, besuchten ein kostenloses Museum und einen kostenlosen Zoo und übernachteten anschliessend noch in einem an den Stausse angrenzenten Naturreservat mit Kutschenfahrt durch den Park – auch kostenlos. So etwas waren wir gar nicht mehr gewohnt. Morgen werden wir erst nach Brasilien und dann nach Argentinien fahren, zwei Grenzübergänge an einem Tag hatten wir auch noch nie.
Abschliessend zu Paraguay gibt es noch zu sagen: So durchweg zuvorkommende, nette, gastfreundliche und interessierte Personen haben wir auf der ganzen Reise noch nicht kennengelernt. Landschaftlich ein sehr schönes, abwechslungsreiches Land und die Leute plus ganz wichtig das Essen (Fleisch!!!!) waren spitze – endlich mal ein bischen Abwechslung zu dem Hühnchen mit Reis Allerlei plus maximal eine Kelle Bohnen, welches uns seit Mexico verfolgt hatte.
C U soon. P.









